Samstag, 27. Mai 2017

Wanderlust


   Alcala de los Gazules, 27.05.2017

El Picacho
Garganta de la Puerto Oscuro










 Guten Abend zusammen. Ihr habt länger nichts von Robero gehört. Der Grund ist nicht Faulheit sondern Freizeitstress. Wir hatten ereignissreiche Tage im absolut positiven Sinne. Am Dienstag stand ein gemütlicher Tag auf dem Programm. Eigentlich wollten wir an Stauseen hier Wandern gehen aber 7,8 km hin und zurück waren uns für einen Ruhetag zu weit. Deswegen sind wir den "Garganta de la Puerto Oscuro" gelaufen. Dies war wirklich ein Spaziergang von nur einem gutem Kilometer aber mit einem Biotop mit Wasserschlangen und schönen Ausblicken auf den Berg der auf Spanisch nach einem Pokemon klingt, dem Picacho. Am Abend kamen dann unsere berliner Freunde auf dem Camping an und wir haben uns eine kleine Wagenburg gebaut. Bei immer noch einer steifen Prise versuchten wir gemeinsam zu Abend zu essen ohne, dass uns alles wegfliegt. Abenteuercamping pur. Und früh ins Bett gekommen sind die Kinder natürlich auch nicht.

Stausee mit wilden Pferden
Gottesanbeterin









Am Mittwoch haben wir dann alle zusammen doch noch die Stauseen besucht, allerdings eine verkürzte Variante. Robero und Freunde haben freudig Tiere beobachtet, gefangen und in dem Stausee gebadet. Wirklich schön, wie die sechs sich verstehen. Und auch die Eltern sitzen gerne bei einem guten Getränk beeinander

Kathedrale von Sevilla
Blick über Sevilla










Am Donnerstag dann gab es einen Papatag. Papa ist mit dem berliner Papa nach Sevilla gefahren. Einmal um bei Decathlon für die ganze Familie Wanderkleidung ein zu kaufen und Erdgas zu tanken. Und nebenbei hat die Zeit auch noch gereicht zumindest die beeindruckende Kathedrale von Sevilla zu besichtigen. Ich glaube man könnte auch einen ganzen Tag in ihr verbringen. Und der Blick vom Glockenturm über Sevilla war auch beeindruckend. Die Frauen haben mit den Kindern Badetag, Spieltag und Aufräumtag gemacht. Nicht unbedingt spektakulär aber nötig und gut für die Kinder! Vor allem wenn es um den Plan für den nächsten Tag geht, aber darüber mehr nach den nächsten Fotos.

Garrigue auf dem Gipfelplateau
Blick von der Aljibe










Unsere Berliner Freunde sind genauso verrückt wie wir oder haben sich zumindest Anstecken lassen. Am Freitag wollten wir eine Überquerung des Aljibemassivs machen, dem höchsten Berg des Naturparks. 10 km und 750 hm ist noch keines der Kinder vorher gelaufen. Deswegen der Plan. Donnerstag Ruhetag damit Benno Mittagsschlaf machen kann. Das hat ja noch geklappt. Kinder Abends früh ins Bett bringen, hat nicht geklappt. Also doch erst um 8 Uhr aufstehen. Bis dann alles fertig war und die kurvige Anfahrt über Bergstrassen geschafft war, war schon 10:30 Uhr. Die Papas verschoben die Autos damit an jedem Ende der Tour eines steht, soweit so gut. Gerade als die Papas die anderen aufgeholt hatten, streikte Benno. Also ab in die Kraxe und das sollte sich auch bis zum Gipfel nicht mehr ändern. Papa freute sich über die Trainingseinheit mit mehr als 20 kg auf dem Rücken. Auch eine der kleinen Berlinerinnen liess sich gerne einige Stücke tragen. Die Eltern fühlten sich also eher wie Lastenesel aber selber Schuld. Bei der schönen Aussicht auf dem Gipfel war alles vergessen und auch Benno ist Bergab dann noch einiges gelaufen. So hatte Papa mit Robin zwei Kilo weniger aufm Rücken. Die ganze Tour war herrlich mit einer gigantischen Flora und  Fauna und Fernblicken über den Naturpark. Verschiedenste Vegetationen von Laubwäldern über die Garrigue und Rosenmeer am Gipfel zu Pinienwäldern im Abstieg. Ein weiteres Highlight waren die Adler und Geier die um den Picacho kreisten und die man vom Bergrücken in Ruhe beobachten konnte.
Gigantisch war Tabea, die 4-jährige Berlinerin die ohne Vorerfahrung praktisch die ganze Tour gelaufen ist!

Ronja und Johannes im Anstieg
Ronja und Johannes mit Fernblick










Auch ein grosses Lob an die beiden Grossen, die die Tour praktisch ohne zu jammern gelaufen sind. Auch schön zu sehen wie sich in dieser kurzen Zeit eine richtige Freundschaft entwickelt hat. Die beiden verstehen sich echt super und sind irgendwie auch auf der gleichen Wellenlänge. Insgesamt, passen unsere beiden Familien super zusammen und die Zeit hier wird durch die Gemeinschaft noch besser.

Mühle bei Verez de la Frontera
Brunnen in Verez










Am Samstag hatten dann alle einen Ruhetag nötig. Wir entschieden uns für Meer, zum ersten mal am Atlantik. Nach Ausschlafen und gemütlich Frühstücken gabs erst noch eine bisschen Kultur für die Eltern mit einem Besuch von Verez de la Frontera inklusive leckerem Mittagessen. Danach gings für die Mamas und die Kinder an den Strand und für die Papas in den Supermarkt. Abends gab es dann noch ein Highlight für unsere Berliner Freunde. Kaiserschmarrn auf dem Campingplatz. Aus der Gusseisenpfanne. Es hat allen super geschmeckt! Für Robero geht es am Montag weiter und die Berliner bleiben noch ein bisschen um das nach zu holen, was Robero schon erlebt haben bis sie angekommen sind.

Ich versuche mich nun wieder öfter zu melden, dass nächste mal wahrscheinlich von der portugisischen Atlantikküste.

Liebe Grüsse

Robero

Montag, 22. Mai 2017

Vom Winde verweht

 Alcala de los Gazules, 22.05.2017

Windgeschwindigkeit von Samstag auf Sonntag
 Wie der Titel schon vermuten lässt und der ein oder andere schon mitbekommen hat geht es diesmal um den Wind. Davon hatten wir hier in der Nacht von Samstag auf Sonntag genug. Genauer gesagt Spitzen bis 100 km/h. Papa hat das Zelt gut abgespannt und es hat auch gehalten, obwohl es eine Luftsäule immer wieder eingedrückt hat. Robin hat sich von dem Lärm und allem nicht stören lassen, Ronja und Benno haben mehr oder weniger gut geschlafen und sind so um 3 ins Elternabteil umgezogen und Mama und Papa haben praktisch nicht geschlafen. Aber es war auch mal ein Erlebnis so etwas mit zu machen. Nun sind wir aber froh das es wieder ruhiger ist!

Alcala de los Gazules
Schön verzierter Hauseingang










Samstag Vormittag waren wir noch auf dem Markt im Nachbarort Alcala de los Gazules. Ein schönes typisch andalusisches Städtchen mit weißen Häusern und engen Gässchen. Wir haben dort für 12€ ungefähr fünf Kilo Obst und Gemüse erstanden, darunter Erdbeeren, Kirschen und Melone. Einfach der Wahnsinn. Teile der Stadt sehen recht heruntergekommen aus, aber was aufgefallen ist waren die wunderschön verzierten Hauseingänge.  Am Nachmittag ging es dann in den Pool und danach vorbereiten auf den Sturm.

Laufradwandern
Wasserfall am Ende des Senderos










Nachdem wir uns am Sonntag wieder gesammelt hatten und mal wieder Wäsche gewaschen und das Zelt von dem Dreck den es hereingeweht hat befreit haben ging es noch auf eine kleine Wanderung die praktischerweise direkt am Camping startet. Wir befinden uns hier ja mitten im Parque Natural des los Alcornocales. Wir gingen also den "Sendero de los Molinos" der seinen Namen von den alten verfallenen Mühlen am Wegesrand hat. Nachdem wir ja glücklicherweise in Granada über einen Fahrradladen gestolpert sind, konnte Benno gleich sein frisch repariertes Laufrad auf Geländetauglichkeit prüfen. Test bestanden auch wenn wir es nach der Hälfte des Weges dann doch stehen gelassen haben weil wir keine Lust mehr hatten es über all die Felsen zu tragen. Insgesamt ein sehr schöner Weg mit viel Tier und Pflanzenwelt zu bestaunen. Apropos Tierwelt. Alle Arachnophobiker nun bitte wegschauen!

Macrothele calpeiana
Ägyptische Wanderheuschrecke










Es ist wirklich gigantisch was hier so rumkriecht. Nicht nur die Vielfalt sondern alles ist hier irgendwie überdimensioniert. Gegen Ende der Wanderung zum Beispiel begegnete uns Macrothele calpeiana, eine der größten Spinnen Europas und einzige von der Europäischen Union geschützte Spinnenart. Ich kann leider mit keinem deutschen Namen dienen, da es eine endemische Art der Iberischen Halbinsel ist und hauptsächlich hier im Naturpark vorkommt. Deswegen heißt sie auf Spanisch auch "araña negra del alcornocal" oder "araña toro". Durchaus furchteinflößend, Papa hat beim fotografieren lieber etwas Abstand gehalten, sieht doch ein bisschen nach Schwarzer Witwe aus. Die Ägyptische Wanderheuschrecke begegnete uns beim Frühstück am Camping und ihre Grösse ist auch sehr beeindruckend. Die Ölkäfer haben wir ja letztes mal schon gezeigt und am Morgen nach dem Sturm war noch eine Riesenkrabbenspinne bei uns im Zelt zu besuch.

Wassertreten im Rio Guadalmesi
Blick auf Afrika










Am Sonntag haben erstmal alle bis halb 9 geschlafen, wobei Robin zum ersten Mal praktisch durchgeschlafen hat! Heute wollten wir dann mal den Naturpark etwas mehr erkunden und begaben uns in die Nähe von Tarifa zum Rio Guadalmesi, ein Relikt tropischer Vergangenheit in der Region. Aufgrund zugewachsener Beschilderung brauchten wir eine halbe Stunde um den Einstieg zu finden und es war schon halb eins bis wir loskamen. Die erste Hälfte der Wanderung war dann auch noch Forstweg und Benno hatte nach der Hälfte keinen Bock mehr. Aber mit viel Motivation haben wir den Tiefpunkt überwunden und als dann der kleine Pfad am Fluss entlang begann war auch Benno wieder voll motiviert, bis kurz vorm Schluss. Auch diese Wanderung war wieder ein Highlight was Tiere und Pflanzen angeht. Vor allem sehr viele schöne Libellen am Fluss aber auch Eidechsen in den Steinen und allerlei Getier in Pfützen am Wegesrand. Immer wieder schön wie sich Robero für die Natur begeistern können, immer wieder eine gute Motivation weiter zu Wandern. Ein weitere Grund warum wir die Wanderung gewählt hatten, war das wir noch einen Blick über die Strasse nach Gibraltar Richtung Afrika werfen wollten. Papa hätte ja gerne noch in Algeciras getankt aber die Tankstelle war nicht auffindbar und so werden wir wohl bald nochmal ein Stück auf Benzin unterwegs sein.

Jetzt ersteinmal eine gute Nacht.
Liebe Grüsse

Robero